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Feuerbohren

 

Eine Übung für Geduldige ?

Viele haben schon daran gedacht auf diese sehr alte Weise zu einem Feuer zu kommen.

Und in den meisten Pfadfinderbüchern sind „Anleitungen“ zu finden aber alle haben eines gemeinsam:

Sie sind kurz und funktionieren nicht.

Deshalb von mir eine Anleitung nach der es gehen sollte.

 

I. Die Materialien

Für den Anfänger ist es sinnvoll mit Holz aus dem Baumarkt zu beginnen, später kann man immer noch auf selbst zugearbeitete Hölzer zurückgreifen. Es ist damit deutlich schwieriger.

 

Wir brauchen vier Hölzer:

 

1. Den Bohrer

Dieser sollte aus hartem Holz sein einen Durchmesser von 2 – 3 cm und

eine Länge von 15 – 20 cm haben und sehr trocken sein.

Für Anfänger ist ein Dübelholz mit Riffeln sehr gut geeignet.

Profis nehmen Haselnuss, Buche etc. aus dem Wald.

 

2. Das Brett

Das Brett muss aus weichem, trockenem Holz sein, Kiefer, Tanne oder Linde. Linde arbeitet sich aber sehr schnell durch und man muss ständig die Vorarbeiten neu machen.

Die Anfänger kaufen einfach ein Stück aus der Restekiste im Baumarkt ca. 2 – 3 cm stark.

Die Profis nehmen wieder Holz aus dem Wald und müssen es zuarbeiten.

 

3. Das Widerlager

Das Widerlager ist für das obere Ende des Bohrers bestimmt und muss gut in der Hand liegen und aus Hartholz sein. Ihr solltet für dieses Stück einige Arbeit aufwenden das erleichtert das Bohren dann sehr.

 

4. Den Bogen

Der Bogen ist kein Bogen im Sinne eine Flitzebogens sondern ein gebogenes Stück Holz mit einer möglichen Sehnenlänge von ca. 60 - 80 cm. (länger ist besser).

Als weiteres Material benötigen wir

eine Sehne

ein wenig Sand

und Birkenrinde

 

II Die Bearbeitung der Materialien

 

1. Der Bohrer

Der Bohrer wird am unteren Ende zur Halbkugel gerundet und am oberen Ende auf die Hälfte seines Durchmessers gebracht. Dabei muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Achse in der Mitte bleibt. Sonst „eiert“ es später beim Bohren und der Bohrer springt dann aus dem Loch.

 

2. Das Brett

Das Brett bekommt eine kleine Mulde als Bohrloch. Diese sollte ca. 2 cm + dem Radius des Bohrers von der Kante entfernt liegen. Jetzt kommt das Entscheidende: Vom Rand wird eine Ecke in das Brett gesägt. Die Spitze der Ecke muss mit der Mitte des Bohrloches übereinstimmen.

Von der richtigen Lage dieser Kerbe ist das Ergebnis entscheidend abhängig. Ihr könnt die richtige Lage durch beobachten beim Bohren erkennen. Das Bohrmehl muss durch die Kerbe abfliessen, es darf sich nicht rund um's Bohrloch verteilen.

 

3. Das Widerlager

Das Widerlager soll gut in der Hand liegen. Es bekommt an der Unterseite eine Bohrung welche zum Durchmesser des Bohrers am oberen Ende passen muss. Auch hier ist genaue Arbeit gefragt, weil der Bohrer sonst stark wackelt und immer aus der Bohrung springt. Die Bohrung im Widerlager wird gefettet.

 

4. Der Bogen

Der Bogen soll nicht gespannt werden. Ein starrer Bogen ist die richtige Wahl. Ich habe meine ersten Versuche ganz erfolgreich mit einer Bügelsäge gemacht. Das ist zwar nicht kultig aber erleichtert den Anfang sehr. Als Sehne habe ich einiges versucht und leider festgestellt, dass mir alle Sehnen mehr oder weniger schnell zerrissen sind. Hier ist Eigeninitiative bei der Suche nach geeignetem Material gefragt. Die Sehne soll nicht so stramm sein, besser ist es, sie mit einem Finger der Bogenhand auf Spannung zu halten.

 

III Das Bohren

 

Vorbemerkung:

In der Ruhe liegt die Kraft. Das gilt auch für das Feuerbohren. Wer hektisch an dem Bogen zerrt, dem wird der Bohrer ständig aus der Führung springen und der Weg zum Feuer wird ein langer.

 

1. Die Vorbereitungen

Nachdem wir alles an Material bereitgelegt haben, können wir das Brett auf den Boden legen.

Unter die Kerbe kommt ein Stück Birkenrinde. Damit legen wir nachher die Glut in das Zunderbett.

Nun kommt ein wenig (!) Sand in die Mulde. Als nächstes schlingen wir die Sehne um den Bohrer. Die Anzahl der Windungen hängt vom Material, welches ihr habt ab. Es sollten so wenige wie möglich sein, aber der Bohrer darf auch nicht rutschen. Das muss man ausprobieren. Weiter setzen wir den Bohrer in die Mulde und das Widerlager auf den Bohrer.

 

2. Die Haltung

Natürlich hat jeder eine andere Haltung beim Bohren.

Aber zwei Dinge:

1. muss das Brett festgehalten werden. Am besten mit dem Fuß, weil man dann sehr gut das Widerlager am Schienenbein abstützen kann. Das bringt viel Ruhe in den Aufbau.

2. muss man mit Ruhe und Bedacht das Bohren beginnen.

 

3. Der Weg zur Glut

Nachdem wir alles wie beschrieben aufgebaut und die rechte Haltung eingenommen haben, können wir beginnen.

Stufe 1:

Wir bewegen den Bogen in aller Ruhe, fast schon langsam hin und her. In dieser Phase arbeitet sich der Bohrer sein passendes Bett. Sie endet, wenn erste kleine Rauchfäden aus dem Bohrloch aufsteigen.

Stufe 2:

Wir werden ein wenig schneller, der Rauch sollte jetzt ein ständiger Begleiter der Arbeit sein. Wenn nicht, zurück zu Stufe 1. oder zu den Vorbereitungen (III,1). Diese Stufe endet, wenn der Rauch deutlich zunimmt und aus dem Bohrloch heiße Asche in die Kerbe quillt. Wenn sich die Asche um das Bohrloch verteilt, zurück zur Bearbeitung des Materials (II,2).

Stufe 3:

Wir bohren so schnell es uns kontrolliert möglich ist aber es darf nicht hektisch werden; denn wenn jetzt der Bohrer herausspringt zurück zu III,1. Es sollte jetzt deutlich in die Kerbe quellen und wenn diese gefüllt ist, könnt ihr Bogen, Bohrer und Widerlager vorsichtig aber schnell an die Seite legen.

Stufe 4:

Nun beginnen wir mit aller Vorsicht auf den kleinen Aschehaufen zu blasen. Zunächst so vorsichtig, dass ihr möglichst keine Asche davonblast. An dieser Stelle möchte ich deutlich machen, dass wir nach dem Bohren noch keine Glut haben, nur heisse Asche. Erst durch das Anblasen kommt genug Sauerstoff in den kleinen Haufen und er kann sich entzünden (Glut bilden).

Wenn ihr bis hierhin alles richtig gemacht habt, sollte auf der Birkenrinde ein kleiner Gluthaufen, etwa in der Grösse einer Fingerkuppe, liegen.

Ihr habt erfolgreich Feuer gebohrt. Nun liegt zwischen dieser Arbeit und dem Erfolgserlebnis des Lagerfeuers noch das Anblasen der Glut, in einem Zunderbett, zur Flamme. Dies wird in einem weiteren Artikel erklärt.

 

Viel Spass und gut Pfad,

Bärtram